Artikel aus der MVC Depesche 04/2014 – sollten Sie in Ihrer Mercedes-Benz – Clubzeitung über allgemein interessante Berichte verfügen, an denen Sie die Text und Bildrechte haben? Teilen Sie dieses Wissen doch mit anderen und senden Sie uns den Artikel an Info@MVConline.de !

Die Geschichte der bezahlten und individuellen Personenbeförderung begann im Jahr 1617. In Paris gab es Sänftenträger, die wohlhabenden Bürgern ihre Dienste anboten. Rund 50 Jahre später tauchten auch in Berlin
die ersten Sänftenträger auf. Diese „Portechaisen“, so nannte man die Sänften damals, waren die Vorboten der Taxen.
Um eine gesicherte Einkommensquelle für die aus Frankreich eingewanderten Hugenotten zu schaffen, erließ Kurfürst Friedrich Wilhelm am 1. Januar 1668 eine Verordnung, dass in seiner Residenz 12 Portechaisen für den Personentransport bereit stehen sollen. Doch schon bald verdrängten elegante Pferdekutschen die Sänftenträger. Fiaker und Droschken hatten ihre große Zeit. In manchen Orten hielten sich die Pferdekutschen im Taxibetrieb noch bis in die 30er Jahre des 20sten Jahrhunderts.
Bereits im Jahr 1882 wurde der „Taxameter” zur Bemessung der Reisekosten für Passagiere bei Pferdekutschen eingeführt. Die Bemessung erfolgte über die Radumdrehungen. Als Erfinder des Taxameters gilt der deutsche Wilhelm Gustav Bruhn. Abgeleitet von dem Taxameter wurde der Begriff Taxi bald für das komplette Fahrzeug verwendet.
Andere Länder andere Sitten
In den 70er Jahren des vorletzten Jahrhunderts begann in Japan das Zeitalter der Rikschas.
Während man sich in Deutschland in eleganten Pferdekutschen chauffieren ließ, wurden die einsitzigen Rikschas noch von Menschen gezogen. Als Erfinder der Rikscha (Menschenkraftwagen) gilt der anglikanische Referent M.B. Baily. Er hatte die Idee, einen Stuhl auf einen Handwagen zu montieren, um auf diese Weise Menschen zu transportieren. Die Rikschas verbreiteten sich schnell in vielen asiatischen Ländern.
Die erste offizielle Lizenz für den Personenverkehr, wurde in China erteilt. Bereits um 1930 gab es die ersten Fahrrad-Rikschas. In den 50er Jahren erlebten diese Gefährte ihre höchste Verbreitung. Auch heute noch sieht man Fahrrad-Rikschas im Straßenbild vieler Länder.
Der Motorwagen als Taxi
Am 26. Juni des Jahres 1896 bestellt der Stuttgarter Fuhrunternehmer
Friedrich Greiner einen Daimler Motorwagen, Typ Viktoria mit Taxameter. Kurze Zeit später wird der Wagen ausgeliefert und Greiner eröffnet damit das erste Taxiunternehmen der Welt mit einem Motorwagen. Es folgt die Zeit, in der die Pferdekutsche von der motorisierten Taxe immer mehr verdrängt wurde. Das Automobil entwickelte sich zur bedrohlichen Konkurrenz.
Das führte oft zu erbitterten Konkurrenzkämpfen zwischen den Pferdedroschken und den Motortaxen. Legendär wurde Gustav Hartmann, der am 2. April des Jahres 1928 mit seiner Pferdedroschke in Berlin zu einer
Protestfahrt nach Paris aufbrach. Am 4. Juni am Tag seines Geburtstages traf er auf den Champs Elyseés ein. Er hatte rund 1.000 Kilometer zurück gelegt. Auch seine Rückreise wurde zu einer wahren Triumphfahrt. Als Gustav Hartmann mit Pferd und Wagen am 12. Dezember in Berlin wieder durch das Brandenburger Tor fuhr, jubelten tausende Menschen am Straßenrand. Der „eiserne Gustav“ hatte der Welt bewiesen, dass seine Pferdedroschke noch immer reisetauglich ist. Doch der Siegeszug der
Motortaxen ließ sich nicht mehr aufhalten. Im Jahr 1927 hatten die Behörden die letzte Neukonzession für ein Taxigewerbe mit Pferdekutschen erteilt. Es war das gleiche Jahr, in dem unser Mercedes-Benz Typ 8/38 (Fahrzeug steht im Automuseum Dr. Carl Benz in Ladenburg) das Werkstor in Stuttgart verließ.

Die Geschichte des 8/38 Mercedes-Benz Taxis aus dem Automuseum Dr. Carl Benz
Der Wagen wurde im Jahr 1927 an die Daimler-Benz Verkaufsstelle
in Dresden ausgeliefert.
Es ist anzunehmen, dass er dort für den Einsatz als Taxi ausgestattet wurde. Von da ab verrichtete das Taxi treu seinen Dienst. Ein DDR-Kraftfahrzeugbrief aus dem Jahr 1970 hat folgenden Eintrag: VEB Taxi in Dresden. Dort muss der Wagen dann bis zum 29. Oktober 1982 als „Volkseigenes Taxi“ im Einsatz gewesen sein.

Die Dresdner Taxigeschichte
Das erste Taxiunternehmen in Dresden wurde bereits im Jahr 1705 gegründet. Es war die Zeit, in der „August der Starke” regierte. Der Dresdner Ratsherr Landsberger ließ vier Sänften anfertigen und begann mit acht Trägern sein kleines Unternehmen. Im 19. Jahrhundert wurden die
Sänften durch Fiaker und Droschken abgelöst. Sein erstes Taxiunternehmen mit Automobilen gründete Carl Krause am Dresdner Schillerplatz nach dem ersten Weltkrieg.
Zunächst dienten ausgemusterte Militärfahrzeuge zum Transport der Kundschaft. Fast 30 Jahre später entstand im Jahr 1940 die „Dresdner Taxigenossenschaft“, aus der dann das DDR Unternehmen VEB Taxi Dresden hervorging.
Dort verrichtete unser Mercedes-Benz weiter fleißig seinen Dienst. Prominente und weniger bekannte Menschen ließen sich vor dem historischen Taxi ablichten. Für manche diente das Mercedes-Benz Taxi sogar als Hochzeitskutsche im Arbeiter- und Bauernstaat.