von Carlo Freischem und Gert Meyer-Jüres
Carlos Mut, ein Mercedes-Ponton 220 S Cabriolet von Bj. 1956 unbesehen in Portugal zu kaufen, hatte sich als Glücksgriff erwiesen (Mutiger Kauf eines 220 S Cabriolets: unbesehen und nicht probegefahren!).
Also trauten wir uns, nach wenigen und nur kurzen Überarbeitungen sowie einer deutschen Erstzulassung und deutschem H-Kennzeichen mit dem Wagen in Etappen nach Italien zu fahren, um an der „Südtirol-Classic-Schenna Golden Edition 2025“ vom 30.09. bis 04.10.2025 teilzunehmen.
Die Anreise wählten wir gemütlich und starteten schon am 27.09.2025 zur ersten Übernachtung in Leutkirch im Allgäu. Am 28. fuhren wir über Klosters, über den Flüela- sowie Ofenpass ins Müstairtal, einer der vielen schönen Schweizer Nationalparks. Von Schweizer Seite aus ging es über den Umbrailpass hoch über die italienische Grenze und das Stilfser Joch (2.750 müM) wieder hinunter bis nach Trafoi in Südtirol. Hier waren wir für 2 Nächte im „Bella Vista“ angemeldet. An diesem schönen Hotel waren wir schon öfters achtlos vorbeigefahren, hatten es aber im Juli bei der „Jubiläumsfahrt 200 Jahre Stilfser Joch“ (https://mvcoldtimerticker.de/jubilaeumsfahrt-200-jahre-stilfser-joch/) und bei der Sommerausfahrt der „Südtirol Classic Schenna 2025“ schätzen gelernt – nun wir wollten es noch etwas näher kennenlernen.
Hausherren sind der bekannte italienische Skiweltmeister Gustav Thöni und seine Familie. Von der nach Süden gelegenen Terrasse hat man einen herrlichen Blick auf drei Gletscher gleichzeitig, ein vierter ist in Richtung Norden vom Hoteleingang an der vorderen Seite aus zu sehen. Den Hotelnamen „Schöne Aussicht“ gibt es vielfach, aber den Blick auf vier verschiedene Gletscher gleichzeitig nach unserer Kenntnis nirgendwo anders. Wir empfahlen deshalb der Hoteliers-Familie Thöni, dem Hotel de Beinamen „Vier-Gletscher-Blick“ zu geben.
Den 29. Oktober 2025 verbrachten wir mit Ausfahrten in der Region, die natürlich auch wieder aufs Stilfser Joch führten, um den alten 220 S ausgiebig zu testen: er machte alles problemlos mit! Allerdings wunderten wir uns, dass der Motor auch auf Bergstrecken nicht über eine Wassertemperatur von 60 C hinauskam. Wir hatten auf der Fahrt ins Allgäu schon festgestellt, dass die Heizung kaum funktionierte, also hatte der Wagen offenbar ein Temperaturproblem. Da auch der Kühlerdeckel nicht dicht war, trat eine rostig-braune Brühe aus. In der Werkstatt Stocker in Mals untersuchten wir den Kühler und stellten fest, dass der Wasserkreislauf gespült und erneuert werden musste. Das verschoben wir aber auf die Überholung, die im Winter vorgenommen werden soll. Dabei stehen auch der Einbau einer elektrischen Benzinpumpe und einer Lenkhilfe auf dem Programm.
Einen neuen Kühlerdeckel konnten auf der Rückfahrt bei Mercedes in Gmund am Tegernsee über Nacht beschaffen und austauschen.
Am 30. Oktober 2025 ging es weiter nach Schenna oberhalb von Meran, wo wir wie immer im Hotel Innerhofer abstiegen und schon erwartet und freundlich begrüßt wurden. Abends genossen wir das „Südtirol Classic come together“ im Hotel Hohenwart. Stellenweise durfte sich der 220 S sogar mit den original-portugiesischen Kennzeichen zeigen!
Zum Start am 01.Oktober 2025 sammelten wir uns auf dem Parkplatz am „Lido“ in Schenna. Von dort ging es „Zur Weinreise in den Süden Südtirols“ über Burgstall, Terlan und den Weinort St. Pauls ins Zentrum von Kaltern, wo im historischen Ortskern Parkplätze für uns reserviert waren.
Nach einer Führung durch das „Südtiroler Weinmuseum“ fuhren wir über eine Bergstraße mit Weinbergen, Wäldern und Wiesen zu einem leckeren Mittagessen im „Berggasthof Fichtenhof“ in Gfrill. Durch die Obstgärten von Kurtatsch ging es über Auer/Pfatten und den sogenannten “Kojotenpass“ vorbei am Kalterersee und zurück nach Schenna. Ein Shuttlebus brachte uns am Abend zum gemeinsamen Türggeleabend in den Buschenschank Florerhof, wo wir hoch über der Stadt auch den Ausblick auf die Schenna und Meran genießen konnten. Der Rückweg verzögerte sich etwas, weil die Seilbahn wegen eines Gewitters eine Pause machen musste.
Am Donnerstag, dem 02.Oktober 2025 hieß die Strecke „Dolomiten im Herbstglanz“: Über Bozen, Klausen, Albeins, Sarns und Brixen kamen wir zum Kaffeestopp im Hotel „Gasserhof“ in St. Andrä. Danach ging es weiter über Afers, Palmschoss zum Würzjoch (1.982 müM) am Eingang zum Naturpark Puez-Geisler. Wir genossen den atemberaubenden Blick auf die Dolomiten – v.a. auf das imposante Peitlerkofelmasiv. Daraufhin ging es hinunter ins Gadertal. Über Antermol und St. Martin in Thurn kamen wir nach Badia, wo wir in der „Casa Urban“ nach einem schönen Aperitif auf der Terrasse mit herrlichem Blick auf die Berge zu Mittag aßen.
Die Rückfahrt führte uns über Corvara, Grödnerjoch (2.121 müM), vorbei an Wolkenstein und St. Christina nach St. Ulrich. Dann über den Panidersattel, Kastelruth, Völs am Schlern und Bozen wieder zurück nach Schenna.
Am 03. Oktober 2025 fuhren wir die „Trentino-Tour“. Über Lana ging es ins wasserreiche Ultental, das mit seinen malerischen Bauernhöfen und den typischen Urlärchen etwas Besonderes ist. In Priveis erwartete uns die Kaffeepause. Über Rumo und Livo kamen wir nach Cles im Nonstal, einem weitläufigen Hochplateau in der Nachbarprovinz Trentino mit Apfelplantagen, Wäldern, Bergen und Seen. Über Nanno, Tassulo und Dermulo fuhren wir nach San Zeno und weiter über Banco und Revó nach Cloz und Brez, wo wir in der „Locanda Alpina“ das Mittagessen mit Trentiner Spezialitäten genossen.
Über Fondo und den Gampenpass (1.518 müM) und Lana kehrten wir zurück nach Schenna.
Am letzten Tag, Samstag, dem 04. Oktober 2025 erwartete uns die „Meraner Land Tour“. Über Haflling fuhren wir die Panoramastraße und über den sog. Tschöggelberg nach Voran und weiter nach Mölten. Von da aus ging es wieder bergab nach Terlan zur Besichtigung der Raffeiner Orchideenwelt, wo auf 6000 m² exotische Pflanzen, Vögel und Schmetterlinge zu sehen sind. Durch Nals, die Bergdörfer Prissian und Tisens ging es zurück nach Lana und schließlich Schenna. Hier gab es beim „Schlosswirt“ das Mittagessen. Abends fand nach der Besichtigung des Weinkellers im „Luminis Food & Wine“ vom „Schenna Resort“ der Abschlussabend statt.
Auf dem Rückweg übers Timmelsjoch (2.474 müdM) nach Tirol und später Deutschland überraschten uns dann noch Sturm, Schnee und Eis auf den Straßen: Aber auch das ist gut gegangen!
Natürlich kann man diese Strecken auch allein nachfahren. Die Teilnahme an der „Südtirol Classic“ hat jedoch den Vorteil, dass die Organisatoren ein sehr gutes Verhältnis zur Polizei haben, die bei Bedarf auch Straßen für den sonstigen Verkehr sperrt, bis alle Teilnehmer durch sind. Die jeweilige Strecke wird wie bei der 100 Miglia durch rote Pfeile gekennzeichnet, so dass man sie findet, ohne ständig in ein Roadbook schauen zu müssen. Auch die Restaurants sind sorgsam ausgesucht und im Voraus reserviert. Die Gastronomen geben sich besondere Mühe, die Tour-Teilnehmer zufrieden zu stellen. Wir können die Teilnahme daher nur wärmstens empfehlen! Besonders interessant dürfte die „Südtirol Classic Schenna“ zum 40. Jubiläum (05.-12.07.2026) werden (Südtirol Classic Schenna Rallye – Oldtimer Rallye in den Bergen)
Bei der Sommertour gibt es (im Gegensatz zur reinen Genusstour „Golden Edition“ im Herbst) auch sportliche Prüfungen! Ein weiterer Vorteil bei den Schenna-Touren ist, dass die Teilnehmer nicht ständig Koffer aus- und einpacken müssen, sondern dass jeden Morgen vom selben Ort aus Sternfahrten in die Dolomiten, Wein- und Obstanbaugebiete unternommen werden.
Der 220 S hat auch diese Berg- und Höhenprüfungen bestens gemeistert. Er ist größer und natürlich auch komfortabler als der 220, mit dem wir bisher unterwegs waren. Obwohl auch der inzwischen traumhaft läuft, wird Carlo für künftige Alpentouren auch aus Platzgründen vermutlich lieber auf den 220 S zurückgreifen, so dass der 220 wohl leider nur noch bei regionalen Touren zum Einsatz kommen wird. Schade eigentlich! Aber vielleicht findet der schöne Oldie ja einen neuen Besitzer, der ihn wieder Bergluft schnuppern lässt!










