Frühe Rekordwagen im Motorsport
aus dem Newsletter der Classic Days
Der Mercedes 60HP Simplex war im Jahr 1903 das Maß seiner Zeit. Einfache Bedienung – daher sein Zusatzname und mächtiger Motor mit Kettenantrieb auf die Hinterachse.
Es waren vornehmlich Privatleute, die einen Mercedes-Simplex 60 PS kauften. Ihre Fahrzeuge standen zur Abholung in Untertürkheim, dem im Aufbau befindlichen neuen Werk der DMG (Daimler Motoren Gesellschaft).
Das Jahr 1903: Drei 90-PS-Boliden, die für das Gordon-Bennett-Rennen vorgesehen sind, harren im DMG-Werk am Seelberg in Cannstatt auf die Eisenbahn-Verladung. Doch ihre Laufbahn ist beendet, bevor sie überhaupt beginnt. Am 10. Juni 1903, morgens um halb drei Uhr, bricht in der Fabrik ein verheerender Brand aus, der die Produktionseinrichtungen samt 90 teils fertiggestellter oder noch in Arbeit befindlicher Fahrzeuge einschließlich der drei Rennfahrzeuge vernichtet.
Die Reaktion der DMG auf dieses Ereignis ist noch heute spannende Geschichte: Zum einen wird kein Arbeiter entlassen und die Fertigung umgehend provisorisch in angemieteten Werkstätten weitergeführt. Außerdem werden die Bauarbeiten am neuen Werk in Untertürkheim derart beschleunigt und im Zweischichtbetrieb vorangetrieben, dass bereits 1904, ein Jahr früher als geplant, der Umzug von Cannstatt nach Untertürkheim stattfinden kann.
Schlussendlich kauft oder leiht die DMG für das bevorstehende Gordon-Bennett-Rennen am 2. Juli 2003 von Privatleuten drei der Mercedes-Simplex 60 PS, um das Rennen in Irland doch noch bestreiten zu können. Ein bewegendes Stück Automobilgeschichte, so wie es in Archiven nachzulesen ist.
Die Veranstalter der Classic Days sind glücklich, daß einer der existierenden 60-PS-Wagen nun aus England zu den Classic Days kommt – auch dieser Wagen ist in Privatbesitz.
Classic Days TV: Der Wagen im Goodwood Festival