Mercedes-Benz Rennfahrer Hans Herrmann verstorben

  • Internationale Bekanntheit als Mercedes-Benz Werksfahrer 1954 und 1955
  • Starts mit Formel-1-Rennwagen W 196 R und Rennsportwagen 300 SLR (W 196 S)
  • Ein äußerst vielseitiger Motorsportler mit sehr beständigen, schnellen Rundenzeiten

Bild vom 90. Geburtstag Hans Herrmann – 23.02.2018

Hans Herrmann, der berühmte Rennfahrer, Le-Mans-Sieger und Mercedes-Benz Heritage Markenbotschafter, ist am 9. Januar 2026 im Alter von 97 Jahren verstorben. Seine internationale Karriere startet er 1954 und 1955 als Werksfahrer von Mercedes-Benz in der Formel 1 und in Sportwagenrennen. Trotz seiner Verbindungen in alle Welt bleibt der am 23. Februar 1928 in Stuttgart geborene Motorsportler tief verwurzelt in der Region. Entsprechend groß ist seine Bekanntheit und Beliebtheit dort – das zeigen auch die ersten Reaktionen anlässlich seines Todes.

„Mit großer Dankbarkeit erinnern wir uns an Hans Herrmann, einen herausragenden Rennfahrer, der die Geschichte von Mercedes-Benz maßgeblich geprägt hat. Als Teil der legendären Silberpfeil-Rennfahrer Mitte der 1950er-Jahre beeindruckte er im Rennen durch seine Schnelligkeit und Sicherheit. Seine sympathische Ausstrahlung und seine Leidenschaft für den Motorsport machten ihn bei Fans und Mitmenschen sehr beliebt. Nach seiner aktiven Karriere blieb Hans Herrmann unserer Marke als Vertreter von Mercedes-Benz Heritage eng verbunden und trug dazu bei, das Erbe unserer Fahrzeuge zu bewahren.“ Marcus Breitschwerdt, CEO der Mercedes-Benz Heritage GmbH

Mille-Miglia-Klassensieger kommt in die Mercedes Werksmannschaft

Der gelernte Konditor Hans Herrmann beginnt seine Rennsportkarriere im Jahr 1952 bei der Hessischen Winterfahrt mit seinem privaten Porsche 356. Noch im gleichen Jahr erringt er bei der Deutschlandfahrt einen Klassensieg. 1953 und 1954 holt Herrmann dann mit Porsche jeweils einen Klassensieg bei der Mille Miglia in Italien, dem legendären 1.000-Meilen-Rennen. Mit diesen Erfolgen ist er ein sehr vielversprechendes Nachwuchstalent – und Alfred Neubauer, Leiter der Mercedes-Benz Rennabteilung, holt den Sechsundzwanzigjährigen 1954 für den Wiedereinstieg der Marke in den Grand-Prix-Sport neben Juan Manuel Fangio und Karl Kling in die Werksmannschaft.

Der ehemalige Mercedes-Benz Rennfahrer und Markenbotschafter Hans Herrmann feiert am 23. Februar 2023 seinen 95. Geburtstag. Foto von der Mille Miglia 2015 im Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen (W 196) mit der Startnummer 604.

Umgehend beweist Herrmann sein Talent auch in der Königsklasse des Motorsports. Schon bei der Premiere der neuen Silberpfeile W 196 R beim Großen Preis von Frankreich am 4. Juli 1954 in Reims fährt Herrmann mit 2:32,9 Minuten die schnellste Rundenzeit – das entspricht einem Durchschnittstempo von 195,463 km/h. Er erringt in der laufenden Saison zwei Podiumsplatzierungen beim Großen Preis der Schweiz 1954 und beim Avus-Rennen 1954, wo er jeweils auf den 3. Platz kommt. In dieser Premierensaison fährt das Werksteam zahlreiche Siege ein, und Juan Manuel Fangio wird Formel 1-Weltmeister.

Zur Saison 1955 vervollständigt Stirling Moss das Erfolgsteam. Im Training zum Großen Preis von Monaco im Mai 1955 verunfallt Herrmann und wird vor allem an der Hüfte so schwer verletzt, dass er in der laufenden Saison nicht mehr starten kann. Nach einer überragenden Saison ist erneut Fangio Formel 1-Weltmeister. Hans Herrmann kämpft sich zurück in den aktiven Motorsport. Er wird im Volksmund auch „Hans im Glück“ genannt wegen einiger überstandener, schwerer Unfälle.

Nach den spektakulären Erfolgen der Saison 1955 zieht sich die damalige Daimler-Benz AG im Oktober 1955 vom Rennsport zurück und konzentriert sich auf die Entwicklung neuer Serienfahrzeuge. Hans Herrmann bleibt der Marke mit dem Stern eng verbunden. Unter anderem nimmt er 1961 mit einem Mercedes-Benz 220 SE „Heckflosse“ Rallyefahrzeug (W 111) am Großen Straßenpreis von Argentinien teil. Er kommt auf dem 2. Platz ins Ziel und komplettiert damit zusammen mit dem Sieger Walter Schock, ebenfalls in einem Mercedes-Benz 220 SE, den Doppelsieg bei diesem strapaziösen Langstreckenrennen über mehr als 4.500 Kilometer.

Fünfter Großer Straßenpreis von Argentinien, 6. Oktober bis 5. November 1961. Das Bild zeigt das Team Hans Herrmann / Rainer Günzler.

Vielseitiges Motorsporttalent

Der Stuttgarter erweist sich mit Teilnahmen an Grand-Prix-Rennen der Formel 1 und Formel 2, bei Sportwagenrennen und bei Rallyes als ausgesprochen vielseitiger Motorsportler. Außer mit Mercedes-Benz startet er insbesondere mit Renn- und Sportwagen von Porsche. Dazu kommen Einsätze in Cockpits von B.R.M.-, Cooper-, Maserati-, Abarth- und Veritas-Rennwagen.

Mercedes-Benz Rennfahrer Hans Herrmann. Foto von Versuchsfahrten auf dem Autodrom in Monza im August 1955 am Formel-1-Rennwagen W 196 R mit Stromlinienkarosserie.

Seine größten Erfolge erzielt Herrmann bei Sportwagen-Langstreckenrennen. Dazu gehören seine Gesamtsiege bei der Targa Florio (1960), den 24 Stunden von Daytona (1968) und den 24 Stunden von Le Mans (1970). Nach seinem Le-Mans-Triumph beendet der Schwabe seine aktive Karriere, ohne die Saison zu Ende zu fahren. Bei der Abfahrt zu dem Langstrecken-Klassiker in Frankreich hatte er seiner Ehefrau Magdalena versprochen, nach einem Sieg in Le Mans nie mehr ein Rennen zu bestreiten. Daran hält er sich – und widmet sich nun mit Erfolg seinem Handelsunternehmen für Autozubehör.

Dem Motorsport bleibt er bis zu seinem Tod immer eng verbunden – insbesondere als Markenbotschafter von Mercedes-Benz Heritage. Bei zahlreichen Starts mit Fahrzeugen von Mercedes-Benz Heritage beweist er bis ins hohe Alter sein Feingefühl für sehr unterschiedliche Rennfahrzeuge. Und er ist am Rande dieser Einsätze immer gern bereit für ein freundliches Gespräch mit den Zuschauern. Für die achtmalige Teilnahme an der Targa Florio wird Hans Herrmann im Oktober 2012 von der Stadt Collesano geehrt. Ehrensache: Zum Festakt fährt der ehemalige Werkspilot in einem Mercedes-Benz 300 SLR Rennsportwagen (W 196 S) vor.