„Der erste Mercedes 35 PS wurde heute vor 105 Jahren fertig gestellt. Mit seinen vielen technischen Details ist er der Ahnherr des Autos moderner Bauart. Dazu gehörten der Bienenwabenkühler, der niedrige Schwerpunkt und die schräg stehende Lenksäule. Das Fahrzeug bedeutete am 22. November 1900 die endgültige Abkehr von der zuvor üblichen Kutschenbauweise. Bereits im April hatte Emil Jellinek 36 Fahrzeuge zu einem Gesamtpreis von 550 000 Goldmark bestellt. Der erste Mercedes 35 PS gelangte nach ausgedehnter Erprobung Ende Dezember 1900 zu Jellinek nach Nizza. Als Auftakt einer Sonderschau gaben sich 13 Mercedes-Simplex Fahrzeuge die Ehre und hielten vor dem neuen Mercedes-Benz Museum eine Stippvisite ab. Die Fahrzeuge kommen zum größten Teil aus Privatbesitz und sind ab sofort in einer Sonderausstellung im jetzigen alten Mercedes-Benz Museum zu besichtigen. Bienenwabenkühler, Luftbereifung, langer Radstand, Kulissenschaltung und niedriger Schwerpunkt waren damals eine Sensation. Schon 1902 wurde ein weiter verbesserter 40 PS Wagen als Mercedes „Simplex“ angeboten, der aus damaliger Sicht noch leichter zu bedienen war. Die Sonderschau ist die größte Zusammenführung von Mercedes-Simplex Fahrzeugen seit langer Zeit. Das besondere ist natürlich auch, dass sie jetzt alle in das alte Mercedes-Benz Museum zurückkehren, welches auch bald Geschichte sein wird. Selbstverständlich sind alle Fahrzeuge dieser Ausstellung fahrbereit. Sie werden bei Classic Rallyes wie London–Brighton, Gordon-Bennett Revival etc. eingesetzt. Die Simplex-Parade durch das Werk Untertürkheim wurde von den Mitarbeitern mit großem Beifall begrüßt. Nach dem „Familienporträt“ vor dem Neubau des Museums ging es zurück ins Werk und in das alte Mercedes-Benz Museum, das bis zum 18. März 2006 Austellungsort der Fahrzeuge sein wird. Das älteste Fahrzeug, ein Mercedes-Simplex aus dem Jahr 1902, ist ein Stück der Sammlung des Mercedes-Benz Museums und damit auch Gastgeber dieser Runde. William K. Vanderbilt Jr., ein amerikanischer Milliardär, fuhr damit im Jahr 1902 einen sensationellen Weltrekord mit 111,8 km/h für den „fliegenden Kilometer“. Aber auch jedes der anderen Fahrzeuge hat eine völlig individuelle Geschichte, so z.B. der Mercedes-Simplex von 1904 einer österreichischen Adelsfamilie, der seit dem ersten Tag in Familienbesitz und immer noch fahrbereit ist. Oder ein Exemplar aus dem Jahr 1907, der besonders große Räder hat, weil er damals in Argentinien auf unwegsamen Ochsenpfaden gefahren wurde. Und last but not least ein direkter Nachfolger des Mercedes-Simplex aus dem Jahr 1909, der auf Sonderwunsch seines amerikanischen Bestellers mit einem 160 PS Daimler-Grand-Prix-Motor ausgeliefert wurde – heute vergleichbar mit einem Formel-1 Fahrzeug mit Straßenzulassung. Also auf ins alte Museum!.“