- Ikone der 1990er-Jahre: Kleinserie sowie Renntourenwagen mit Meisterschaft 1992
- Der Supersportler auf Basis des „190er“ – der ersten Mercedes-Benz Kompaktklasse
- Einer der begehrtesten jüngeren Traumwagen der Marke

190 E 2.5-16 Evolution II Bj. 1990 in der Sonderausstellung „Youngtimer“ des Mercedes-Benz Museums. Foto: Thomas Niedermüller.
„Close-up“ – der Name der Serie des Mercedes-Benz Museums ist Programm. Jede Folge erzählt Überraschendes, Spannendes, Hintergründiges zu Fahrzeugen aus der Ausstellung. Diesmal im Blick: der Mercedes-Benz 190 E 2.5-16 Evolution II in der Sonderausstellung „Youngtimer“, Raum Collection 5. Noch bis 31. Mai 2026 zeigt die Schau in einer poppig-bunten Inszenierung zehn ikonische Fahrzeuge der 1990er- und 2000er-Jahre.
Nr. 3/2026: Mercedes-Benz 190 E 2.5-16 Evolution II
Stuttgarter Sportabzeichen: Mächtige Spoiler und Schürzen, große Räder in breiten Radhäusern und ein gewaltiger Heckflügel. Der Mercedes-Benz 190 E 2.5-16 Evolution II, von Fans kurz „EVO II“ gerufen, macht schon im Stand sein Sportpotenzial deutlich. Diese Hochleistungslimousine mit Straßenzulassung katapultiert die Baureihe 201 endgültig in die Sphären des Rennsports. In den 1990er-Jahren ist er ein absolutes Kult-Automobil und heute ein extrem rarer und wertvoller jüngerer Traumwagen.

Detailaufnahme der Plakette „evolution“, die ausschließlich der EVO II trägt. Foto: Thomas Niedermüller.
Erkennungsmerkmale: Das Spitzenmodell der Baureihe verrät sich auf den ersten Blick durch seine Karosseriemodifikationen. Rechts am Heckdeckel des Exponats findet sich zudem die ikonische Ziffernfolge 2.5-16 – der Hinweis auf den 2,5-Liter-Hochleistungsmotor mit Vierventiltechnik. Endgültig identifizieren die dezenten Plaketten mit dem Schriftzug „evolution“ an den Kotflügeln dieser Kompaktklasse den exakten Typ. Denn diese hat nur der begehrte EVO II.

Mercedes-Benz 190 E 2.5-16 Evolution II („EVO II“) aus dem Jahr 1990 in der Sonderausstellung „Youngtimer“ des Mercedes-Benz Museums. Detailaufnahme des Schaltknaufs mit der Aufschrift „222/500“. Foto: Thomas Niedermüller. (Fotosignatur der Archive von Mercedes-Benz Classic: D879019)
Mercedes-Benz 190 E 2.5-16 Evolution II (“EVO II”) from 1990 in the special “Youngtimer” exhibition at the Mercedes-Benz Museum. Close-up of the shift lever with the inscription “222/500”. Photo: Thomas Niedermüller. (Photo index number in the Mercedes-Benz Classic Archive: D879019)
Nummer 222: In einer exklusiven Serie entstehen 1990 genau 502 Exemplare des EVO II. Sie dienen der Homologation des DTM-Renntourenwagens, der ab Juli 1990 extrem erfolgreich in der beliebten Rennserie eingesetzt wird und mit dem Klaus Ludwig 1992 DTM-Meister wird. Die Sonderausstellung „Youngtimer“ zeigt das Fahrzeug Nummer 222. Das verrät die individuelle Plakette „222/500“ auf dem Schalthebel des Fünfganggetriebes. Warum die Abweichung um zwei Fahrzeuge? Damals baut man zur Sicherheit einfach zwei Fahrzeuge mehr, um in jedem Fall die Bedingungen für die Homologation dieser Entwicklungsstufe der DTM-Renntourenwagen zu erfüllen – vorgeschrieben sind mindestens 500 Exemplare. Lackiert werden sämtliche EVO II in der Farbe Blauschwarz Metallic (Farbcode DB 199).
Kompaktes Kraftstudio: Der EVO II ist ein supersportliches Statement von Mercedes-Benz. Sein Motor leistet 173 kW (235 PS) bei 7.200/min. Er ist bis zu 250 km/h schnell, die Tachoskala reicht sogar bis 260 km/h. Der Motor M 102 E 25/2 ist um 15 Grad geneigt eingebaut und nahe an der DTM-Technik konstruiert: Die Straßenversion des EVO II hat ein geringfügig geringeres Volumen (Bohrung × Hub: 97,3 × 82,8 Millimeter) als der DTM-Renntourenwagen (Bohrung × Hub: 97,8 × 82,8 Millimeter) – beide sind jedoch kurzhubiger ausgelegt als der Motor im 1988 vorgestellten 190 E 2.5-16 (Bohrung × Hub: 95,5 × 87,2 Millimeter). Im EVO II Rennwagen leistet der Motor zunächst 245 kW (333 PS) bei 8.500/min und dreht bis 9.500/min – im Meisterfahrzeug von 1992 sind es bis zu 274 kW (373 PS).
Optimierung im Windkanal: Im März 1990 ist der EVO II eine Sensation auf dem Genfer Auto-Salon. Die Größe des Heckflügels aus Leichtmetall ist außergewöhnlich für straßenzulassungsfähige Fahrzeuge und fällt selbst Laien auf. Die Aerodynamik am Flügel lässt sich mithilfe mehrerer Schrauben feinjustieren. Um die Anströmung zu verbessern, ist die Heckscheibe teilweise abgedeckt. Ein zeitgenössisches Vergleichsfoto von 190 E 2.5-16, EVO und EVO II macht deutlich, wie mit jeder Entwicklungsstufe die Karosserieanbauteile größer werden. Dieses Auto der Superlative weckt Begehren, das bis heute anhält.

Detailaufnahme des Mercedes Sterns auf dem Heckdeckel mit veränderter Position wegen des großen Heckflügels. Foto: Thomas Niedermüller.
Dezente Änderungen: Der Blick auf weitere Details am Fahrzeug in der Sonderausstellung macht die erheblichen Optimierungen gegenüber anderen „190ern“ deutlich. Manche davon sind eher dezent und fallen zunächst kaum auf. So wandert der Mercedes Stern wegen des großen Heckflügels mehrere Zentimeter nach unten. Das Schloss im Heckdeckel befindet sich daher beim EVO II im Markenzeichen – eine sehr ungewöhnliche Position.
Römische Räder: Der EVO II fährt auf mächtigen Rädern. Sie füllen die stark verbreiterten Radhäuser satt aus – vor allem dann, wenn die dreistufige hydraulische Niveauregelung des Fahrwerks auf maximale Tieferlegung eingestellt ist. Legendär sind die Sechsspeichen-Leichtmetallfelgen im Format 8,5 × 17 Zoll mit Niederquerschnittsreifen der Dimension 245/40 ZR 17. Von Bruno Sacco, 1975 bis 1999 Chefdesigner von Mercedes-Benz, ist folgendes Bonmot überliefert: „Die sehen aus wie bei einem römischen Streitwagen.“ So bekamen die Felgen den Beinamen „Kampfräder“. Kein ganz unpassender Vergleich, denn Wagenrennen mit modifizierten Streitwagen gehören im antiken Rom zu den beliebtesten Sportereignissen überhaupt. Die Rennbahnen sind gewissermaßen frühe Vorläufer moderner Rundstrecken.
Liebe zum Detail: Das Spitzenmodell der Baureihe 201 zeigt in vielen Details, wie viel Aufmerksamkeit die Ingenieure und Designer 1990 diesem Hochleistungsfahrzeug zukommen lassen. Das reicht vom perforierten Hitzeschutz der zweiflutigen Auspuffanlage bis zur Gestaltung des Innenraums. Dort finden sich einerseits Sportsitze mit maximalem Seitenhalt, andererseits gibt es die seltene Innenausstattung mit Stoff Karo, ein Schiebedach, ein Becker „Grand Prix“-Radio mit Kassettenlaufwerk und sogar eine Klimaanlage. Serienmäßig ist das Antiblockiersystem ABS.

AMG 190 E 2.5-16 Evolution II DTM-Renntourenwagen von Klaus Ludwig. Foto vom Großen Preis der Tourenwagen auf dem Nürburgring am 3. September 1990.
Journalistenrenner: Der EVO II in der Sonderausstellung „Youngtimer“ wird 1990 als Pressetestwagen eingesetzt und anschließend direkt in die Fahrzeugsammlung des Unternehmens überführt. Serienmäßig kostet die derart ausgestattete Topversion des „190ers“ damals rund 120.000 DM. Zum Vergleich: Der 190 E ist seinerzeit für 38.455 DM zu haben – weniger als ein Drittel des Spitzenmodells. Auch preislich ist der EVO II damals ein ausgesprochen exklusives Automobil. Heute wird das begehrte sportliche Sammlerstück immer wertvoller.

190 E 2.5-16 Evolution II (1990), 190 E 2.5-16 Evolution (1989) und 190 E 2.5-16 (1988), von vorn nach hinten. Studioaufnahme aus dem Jahr 1990.
Das Mercedes-Benz Museum ist täglich von Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
Kassenschluss ist immer um 17 Uhr.
Anmeldung, Reservierung und aktuelle Informationen:
Montag bis Samstag von 9 bis 18 Uhr unter Telefon +49 711 17-30000, per E-Mail an classic@mercedes-benz.com oder online unter www.mercedes-benz.com/museum
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