Auf eine Ausfahrt in Südtirol
von Carlo Freischem und Gert Meyer-Jüres
Der Meraner Gerry Biasi hatte 1986 eine zündende und bis heute faszinierende Idee: er initiierte die „Meraner Klassiker-Tage“. Bald stieg BMW als Hauptsponsor ein, so dass dann die Umbenennung in „BMW Euro Classic“ erfolgte. Die „Rallye der Sympathie“, so der liebevolle Beiname, wurde 1998 unter Federführung von Jakob Pichler, dem damaligen Präsidenten des Tourismusvereins Schenna und Franz Innerhofer
und langjährigen Direktor des Tourismusvereins Schenna von Meran übernommen und nach Schenna verlegt. Ab sofort benannte man deshalb die beliebte und bereits etablierte Oldtimerrallye in „Südtirol Classic Schenna“ um.
Schenna, die oberhalb der Stadt gelegene Sonnenterrasse von Meran wurde damit ab sofort jährlich im September Ausgangspunkt und Ziel von tageweise organisierten Oldtimertouren durch Südtirol und die Dolomiten. Die Zahl der angemeldeten Fahrzeuge stieg von Jahr zu Jahr stetig an! So nahmen nunmehr in 2026 an der 40-jährigen Jubiläumsveranstaltung 2026 sogar 138 wunderschön erhaltene und bestens gepflegte Oldtimer aus den Baujahren 1927 bis 1984 teil.
Aufgrund neuester Vorschriften der Südtiroler Landesregierung, keine Pässe mehr mit Autos im Konvoi befahren zu dürfen, musste das Team um Franz Innerhofer kurz entschlossen einige Programmpunkte ändern. Für viele Beteiligte ist die „Südtirol Classic Schenna“ nämlich weit mehr als eine Rallye: so spricht Innerhofer auch von einer „kulturellen Dimension, die zeige, wie eng Technik-, Reise- und Zeitgeschichte miteinander verwoben seien“.
Oldtimer als Kulturgut
Die „Südtirol Classic Schenna“ versteht sich schließlich nicht als lautes Motorenspektakel, sondern als stilvolle Reise durch Landschaften, Geschichten und Genussmomente – und als Einladung, Land und Leute Südtirols kennenzulernen. Oder, wie es ein Teilnehmer einmal formulierte: „Es war mein erster Aufenthalt in Südtirol, es wird nicht der letzte gewesen sein. Sie haben einen begeisterten neuen Botschafter Südtirols gewonnen“, erzählt Tanja Egger,
die das Event seit 2001 mitorganisiert. Die Vielfalt der Automobile passt perfekt zur Vielfalt unserer Landschaften. Ob Vorkriegsautomobile, elegante Cabriolets, VW Käfer mit Koffern auf dem Gepäckträger oder seltene Einzelstücke – jedes Fahrzeug bringt seine eigenen Erinnerungen mit und macht die „Südtirol Classic Schenna“ zu einem tollen Stück Kulturgeschichte.“
Das hochgradig engagierte Orga-Team wurde geleitet von
- Stefan Pföstl, aktueller Präsident des Tourismusvereins Schenna
- Hans Krause, Kfz-Mechaniker, Experte für Oldtimer und Leiter des Service-Teams
- Jakob Pichler, Präsident des Tourismusvereins, als Schenna 1998 die Oldtimerrallye von Meran übernommen hat
- Roland Klotz, Mitarbeiter des Orga-Teams, zuständig Zeitprüfungen und Auswertungen
- Franz Innerhofer, Direktor des Südtirol Classic Club, über 40 Jahre lang Direktor des Tourismusvereins Schenna
- Tanja Egger, Eventmanagerin im Tourismusverein Schenna, zuständig für die Organisation der Oldtimerveranstaltungen
- Peter Wenter, Kaufmann in Meran und Gründungsmitglied der „Meraner Klassiker Tage“, Mitarbeiter des Orga-Teams
- Manfred Preiss, Mitarbeiter des Orga-Teams, Teamleiter, u.a. zuständig für Strecken- und Zeitprüfungen
Die diesjährige Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 40-jährigen Bestehens der „Südtirol Classic Schenna“ gliederte sich wie gewohnt in zwei Abschnitte: in ein genussvolles Vorproramm vom 5. bis 7. Juli 2026 und ein sportliches Programm mit Zeit- und Streckenkontrollen vom 8. bis 12. Juli 2026.
Am späten Sonntagnachmittag bzw. frühen Abend wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Raiffeisenplatz im Zentrum von Schenna bei dem einen oder anderen Aperitif begrüßt. Das Programm wurde vorgestellt: ein Abend des An- und Zusammenkommens!
An den frühen Montag- und Dienstagmorgen starteten dann die Fahrzeughalter und -halterinnen mit ihren Beifahrern und Beifahrerinnen in ihren schönen Autos: am 6. Juli 2026 im Zentrum von Schenna
und am 7. Juli 2026 auf dem Parkplatz vom Freibad in Schenna zu zwei sog. „Warming up“-Etappen durch das wunderschöne Südtirol. Eine Südtirol-Rundschau voller schöner Highlights: angefahren, passiert und besucht wurden so bekannte Orte wie Blumau, Schloss Prösels („Märchenschloss“), Ums, Seis, Barbian, Lengmoos, Wangen, Sarntal, Bozen, Jenesien, Mölten und Vöran. Hafling konnte leider wegen einer zuvor abgegangenen Mure mit erheblichen Beschädigungen nicht angefahren werden. Die eigentlich für Montag geplante Auffahrt zum Timmelsjoch war leider auch nicht möglich. Dafür genossen wir abends im Weinberg von Schloss Labers unter freiem Himmel einen herrlich-gemütlichen Sommerabend an weiß gedeckten Tischen. Die Caterer haben Großartiges geleistet: es gab ein sehr leckeres Menü und wunderbar gekühlte Weine!
Der sportliche Teil mit insgesamt vier Etappen begann am Mittwoch, dem 8. Juli 2026. Die technische Abnahme jedes einzelnen Fahrzeugs mit Ausgabe der jeweiligen Startnummer erfolgte tagsüber von 10:00 bis 16:00 h auf dem Raiffeisenplatz in Schenna.
Hier startet später um 17:00 h in Baujahr-chronologischer Reihenfolge vor einem begeisterten Publikum die erste Etappe, der sog. Prolog „Das Meraner Land“: rund 50 km wurden auf der Strecke Schenna – Lana – Tisens – Nals – Adrian – Terlan – Schenna absolviert.
Schließlich wurden alle Teilnehmer ab 19:30 h zum Welcome-Abend auf Schloss Schenna erwartet. Die launige „Classic-Jubiläumsparty“ für alle mit der Band „Black Peter“ fand bis 23:00 h auf dem Raiffeisenplatz in Schenna statt.
Die zweite Etappe „Die Berge zum Anfassen“ (ca. 250 km) startete wieder bei allerherrlichstem Wetter am frühen Donnerstagmorgen, dem 9. Juli 2026 vor den berühmten Gärten von Schloss Trauttmansdorff. Über Bozen, Klausen und St. Andrä ging es auf ca. 2.000 Meter Höhe hinauf zum Würzjoch und weiter über St. Martin in Thurn im Gadertal nach Reischach und Bruneck, dem Hauptort des Pustertals. Über die sog. Sonnenstraße fuhren wir weiter nach Terenten, wo das „Sonnendorf“ die Teilnehmer zu einer genussvollen Pause einlud. Am Nachmittag ging es über Franzensfeste und die Fuggerstadt Sterzing auf den Jaufenpass mit 2.094 müM und weiter über St. Leonhard im Passeiertal zurück nach Schenna. Der Abend stand zwecks Erholung zur freien Verfügung.
„Das Meraner Land im Sonnenuntergang“ war das Motto von Etappe 3 (ca. 40 km), die am späten Freitagnachmittag, dem 10. Juli 2026 in Schenna begann. Die Jubiläums-Abendausfahrt ging im Konvoi über Labers -Burgstall – Lana – Tscherns – Marling – Algund nach Meran.
Hier fand dann der Jubiläums-Korso auf der Meraner Kurpromenade statt, und alle Fahrzeuge und Teams wurden dem Publikum von Johannes Hübner, einem ausgewiesenen Oldtimer-Experten fachkundig, aber auch sehr launig und lustig präsentiert: eine Zeitreise durch die goldenen Epochen der Automobilgeschichte! Einige Teams ließen es sich nehmen, in zu ihrem Fahrzeug passender, zeitgenössischer Kleidung zu erscheinen.
Am frühen Samstagmorgen, dem 11. Juli 2026 fiel der erste „Startschuss“ zu Etappe 4 bereits um 08:00 h im Zentrum von Schenna. Das Motto lautete: „Die Weinstraße all’Italiana“ (ca. 210 km). So verlief die Strecke entlang der „Strada del Vino“ bis ins Trentino. Wir passierten Kaltern und fuhren am Kalterer See entlang über Auer, Montan, Kaltenbrunn, Castel di Fiemme, Baselga di Piné, Cembra, Palù di Giovo und San Michele all’Adige nach Neumarkt. Hier erwartete uns eine riesige, kulinarische Tafel unter den historischen Laubengängen. Anschließend ging es weiter über Tramin und Kaltern zurück nach Schenna.
Sämtliche Ausfahrten wurden fachmännisch perfekt begleitet durch die Kfz-Mechaniker Hansi Krause, Karl Pirpammer und Michael Rumig. Bei Gott sei Dank nur kleineren, technischen Ausfällen bei einigen wenigen Fahrzeugen konnten sie stets spontan und schnell Abhilfe schaffen. Ihnen gebührt ganz, ganz großer Dank für ihren langjährigen und unermüdlichen Einsatz!
Abends wurden wir wieder perfekt organisiert mit Shuttle-Bussen zur großen Jubiläumsgala nach Meran gefahren. Hier fand im Kursaal „Glitter & Glamour“ statt mit Preisverleihung, Galadiner und Livemusik. Moderiert wurde der Abend von Theo Hendrich, und musikalisch wurde er recht flott von der „Südseit-Combo“ gestaltet.
Franz Innerhofer blickte zurück auf erfolgreiche 40 Jahre: „Für mich ist die Südtirol Classic Schenna Kulturgut und Herzensangelegenheit“. Sein großer Dank galt seinem gesamten Team und vor allem Tanja Egger und Manni Preiss.
Für die Teilnehmer dankte ganz spontan und sehr emphatisch Carsten Zimmermann aus Lüneburg dem gesamten Orga-Team für deren großartige Leistungen. Insbesondere lobte er die Ausrichtung der wunderschönen, unerwartet notwendig gewordenen Alternativrouten. Einige Passfahrten konnten ja bekanntlich nicht stattfinden.
Die Grüße der Stadtgemeinde überbrachte der Meraner Stadtrat Stefan Frötscher. Der aktuelle Direktor des Tourismusvereins Schenna, Stefan Kaserbacher war glücklich, dass alles erfolgreich verlaufen war und das, obwohl kurzfristig so viele Änderungen des Programms erfolgen mussten.
Nachdem die Preise an die Teilnehmer vergeben waren, sprach schließlich auch der Tourismuspräsident von Schenna, Stefan Pföstl den Organisatoren der Rallye seinen Dank aus, dass die „40. Südtirol Classic Schenna“ so erfolgreich stattfinden konnte.
Ihren wunderschönen Ausklang fand die diesjährige „Rallye der Sympathie“ am Sonntag, dem 12. Juli 2026 auf dem Raiffeisenplatz in Schenna. Anschließend dürften alle Teilnehmer mit den allerschönsten Erinnerungen ihre jeweiligen Heimreisen angetreten haben – ob nun in ihrem Oldtimer auf eigener Achse oder per Trailer!
Das Wetter in Südtirol hat sich jedenfalls im Juli 2026 von seiner allerbesten Seite gezeigt – auch, wenn es für Mensch und Maschine manchmal ziemlich heiß wurde!
Und so gibt es gewiss auch im kommenden Jahr wieder den einen oder anderen „Wiederholungstäter“. Der Termin für die Veranstaltung steht jedenfalls schon fest: 7. bis 11. Juli 2027!
„Nach der Rallye“ heißt nun für die bewährten und erfolgreichen Organisatoren „Vor der Rallye“ – also auf ein Neues im nächsten Jahr!









