Mercedes-Benz 710 SSK (W06), Karosserie Papler Kommission Nr. 39608 – Werksnummer 35340
Was bekannt ist.
Nur wenige Fahrzeuge sind so geheimnisumwittert wie der Mercedes-Benz 710 SSK mit seinem Aufbau von Karosserie Papler (Köln) aus dem Jahr 1931 (?).
Über die Kommission Nr. 39608 ist nur wenig bekannt, und das meiste, was möglicherweise verfügbar wäre, unterliegt den Datenschutzgesetzen, die vom Mercedes-Archiv sehr streng angewendet werden. Besagtes Archiv zeigt sich selbst in den besten Zeiten eher unkooperativ und versteckt sich gerne hinter den Datenschutzgesetzen, selbst wenn die Recherche Fahrzeuge betrifft, die vor 80 Jahren verschwunden sind.
W 35340, insoweit die Geschichte zurückverfolgt werden kann.
Das Fahrzeug wurde um 1928 als 710SS (W05) gebaut und hatte die Fahrgestellnummer 35340. Es wurde bei mehreren Rennen eingesetzt, darunter beim Großen Preis von Deutschland 1931.
Anschließend wurde der Motor des Wagens von einem SS- auf einen SSK-Motor (27/170/225 PS) umgerüstet, und er erhielt Ende 1931 eine neue vom Karosseriebauer Papler in Köln maßgefertigte Karosserie. Papler war seinerzeit bekannt für die Herstellung eleganter Aufbauten für Mercedes Wagen des Typs SS und SSK.
Obwohl dieses Fahrzeug üblicherweise als Baujahr 1931 bezeichnet wird, sollte es eigentlich als Baujahr 1928 mit einer Sport-Cabriolet-Karosserie (Cabriolet A) von 1932 bezeichnet werden, aus dem einfachen Grund, dass es höchst zweifelhaft ist, dass man bei Papler in den verbleibenden fünf Monaten zwischen dem Großen Preis von Deutschland im Juli und Weihnachten 1931 genügend Zeit gehabt hätte, eine Cabriolet-A-Karosserie von Hand zu fertigen.
Man darf nicht vergessen, dass nicht nur die Karosserie auf einem maßgefertigten Holzrahmen aufgebaut werden musste – dessen handwerkliche Herstellung ein mühsamer Prozess war, der höchste Präzision erforderte –, sondern auch dass die mehrschichtige Lackierung, für die damals Nitrocelluloselacke (auch als Nitrolacke oder NC-Lacke bekannt) verwendet wurden, lange Trocknungszeiten erforderte.
Die vielleicht einzige – wenn auch zweifelhafte – Möglichkeit, einen Karosserieauftrag in so kurzer Zeit zu erfüllen, wäre gewesen, wenn Papler bereits Vorarbeiten durchgeführt hätte, während das Auto noch an Rennen teilnahm. Da jedoch alle S-, SS- und SSK-Modelle von Hand gefertigt wurden, und es daher zwischen ihnen stets zu geringfügigen Maßabweichungen kam, hätten sich etwaige Vorarbeiten nur auf Kleinteile beziehen können.
Tatsächlich herrscht weder unter den zeitgenössischen noch unter den heutigen Autoren Einigkeit darüber, in welchem Jahr genau der Rennwagen zum Sport-Cabriolet wurde: 1931…1932…1933.
Aus der Bildunterschrift unter einem Foto des Wagens, das 1931 in einer deutschen Automobilzeitschrift abgedruckt wurde, wissen wir, dass die Karosserie vom Besitzer des Wagens, Prinz Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg und Bartenstein, in Auftrag gegeben wurde.
1933 taucht erneut ein Bild des Wagens auf, begleitet von einem kurzen Text, in dem dieses einzigartige Sport-Cabriolet als „die schönste der zivilen Karosserien, Baujahr ca. 1932-33“ beschrieben wird.
Irgendwann in den 1930er Jahren wechselte der SSK offenbar den Besitzer. Während zuvor, als das Fahrzeug noch dem Fürsten Albrecht zu Hohenlohe-Jagstberg gehörte, das Hohenlohe-Wappen an den Autotüren zu sehen war – wie auf den wenigen verfügbaren Fotos aus dem Mercedes-Archiv zu erkennen ist –, verschwindet das Familienwappen plötzlich.
Auch das Kennzeichen IIIP-4170 wird zu IIN-15485. Laut der Liste der „Deutschen Kfz-Kennzeichen“ aus den 1930er Jahren bedeutet dies, dass IIIP für den „Jagstkreis“ und IIN für den „Stadtbezirk Nürnberg“ steht.
Dies würde darauf hindeuten, dass das Auto an Otto Spandel verkauft wurde, einem bedeutenden Verleger und Drucker in Nürnberg (Verlag Erich Spandel), der unter anderem die „Nürnberger Zeitung“ und andere regionale Tageszeitungen, sowie (von 1941 bis 1945) die Monatszeitschrift „Nürnberger Schau“ herausgab, die sich vor allem mit Theateraufführungen und kulturellen Ereignissen befasste.
Otto Spandel war nicht nur Verleger, sondern auch ein privater Rennfahrer, der zwischen 1928 und 1931 Mercedes-Sportwagen fuhr.
Erwähnenswert ist, dass er beim Großen Preis von Deutschland am 20. Juli 1931 den Mercedes 710 SSK mit der Startnummer 22 fuhr, Wagen der niemand Geringerem als dem Prinzen zu Hohenlohe-Bartenstein und Jagstberg gehörte, und von diesem angemeldet wurde.
Genau wie in England mit den „Bentley Boys“ gab es selbstverständlich auch in der deutschen „High Society“ Herren, die auf sich achteten, sich kannten, und in der Lage waren, im Motorsport auf höchstem Niveau mitzufahren. Zu ihnen gehörten in aller Wahrscheinlichkeit auch der damals 25-jährige Prinz zu Hohenlohe und der 26 Jahre alte Otto Spandel!
Die Farbe des Wagens ist unbekannt. Alle verfügbaren zeitgenössische Bilder zeigen das Cabriolet in Schwarz-Weiß, und die Meinungen über die Farbe gehen weit auseinander. Der allgemeine Konsens lautet jedoch, dass der Wagen wahrscheinlich zweifarbig war, möglicherweise rot mit den damals modischen schwarzen Kotflügeln und einem schwarzen Verdeck.
Doch auf dem Titelblatt seiner Ausgabe Nr. 15 vom 9. April 1933 veröffentlichte die Zeitschrift „Motor und Sport“ eine künstlerische Darstellung eines komplett roten Wagens, der verdächtig nach dem Papler 710 SSK-Sport-Cabriolet aussah. Selbst unter Berücksichtigung einer gewissen künstlerischen Freiheit ist es durchaus denkbar, dass das Auto tatsächlich rot war.
Ein gedämpftes Grün-Grau ist ebenfalls durchaus eine realistische Möglichkeit.
Von dem Auto gibt es seit den späten 1930er Jahren keine Spur mehr. Leider ist es nicht auszuschließen, dass das Auto bei den schwersten aller Bombardements zerstört wurde, denen die Stadt Nürnberg im Zweiten Weltkrieg ausgesetzt war, als am 2. Januar 1945 521 RAF-Bomber 6.000 Sprengbomben und eine Million Brandbomben abwarfen. Mehr als 1.800 Menschen starben bei diesem Angriff und 100.000 verloren ihr Zuhause. Die historische mittelalterliche Altstadt von Nürnberg wurde fast vollständig zerstört, und die Stadt als Ganzes wurde schwer beschädigt. Es ist nicht auszuschließen, dass der Mercedes-Benz 710 SSK mit Papler-Karosserie bei diesem – oder vielleicht sogar bei einem früheren – Luftangriff der Alliierten zerstört wurde.

Das 1:43 Modell von Ilario
Nach sorgfältiger Analyse der wenigen verfügbaren Bilder und weiteren Rücksprachen mit Farbspezialisten hat sich Ilario für Grau mit schwarzen Kotflügeln entschieden.
Wie alle bisherigen Modelle von Ilario ist auch dieses 1:43 Modell des Mercedes-Benz 710 SSK so nah an der Perfektion, wie es technisch möglich ist. Und diese Beurteilung habe ich bei Google KI gefunden!



