Wie erkennt man professionell eine gefälschte Fahrgestellnummer?

Was kann automotive Forensik herausfinden?

von MICARE PS GmbH

Fabian Ebrecht im Vortrag bei TÜV Rheinland auf dem Oldtimer Grandprix 2022

Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage. Auch wenn es zu Hamlets Zeiten noch gar keine Fahrzeugidentnummern (FIN) gab, ist dieses Zitat treffend, wie kein anderes. Entscheidend ist die sog. FIN, gerne auch als Fahrgestellnummer bezeichnet, nämlich für die Identität eines Fahrzeugs. Der Jurist spricht von einem identitätsstiftenden Merkmal, das ein Fahrzeug eindeutig identifizierbar macht. Abgesehen von Fälschungen und Nachbauten, wird laut Expertenschätzung in nahezu 99% Prozent aller Diebstähle die FIN manipuliert, um die Tat zu verschleiern. Welche Möglichkeiten bestehen, diese Manipulationen aufzudecken, ist heute unser Thema.

Welche Möglichkeiten bestehen, um Manipulationen aufzudecken?

Nur 3,5 Stunden – so Fabian Ebrecht in seinem Vortrag – waren nötig, um einen gestohlenen, aktuellen Porsche von Nürnberg nach Dresden zu verbringen. Umso erstaunlicher, dass den Dieben diese Zeit ausgreicht hatte, um bereits die Fahrgestellnummer professionell zu manipulieren. Je professioneller Diebe und Fälscher bei Ihrer Tat vorgehen, desto schwieriger wird der gutachterliche Nachweis, was unter Umständen letztlich dazu führen kann, dass das Diebstahlopfer mangels Beweisen zur Fahrzeugidentität, sein Fahrzeug nicht zurückerhält.

Welche Möglichkeiten gibt es, Manipulationen sichtbar zu machen?

  • – Magneto-Optisches Verfahren, zum Erkennen von eingeschlagenen Ziffern und Manipulationen unterhalb der sichtbaren Metallstruktur
  • Materialanalyse und Abgleich durch Spektrometer (Spektralanalyse) zur Feststellung des Alters des Metalls
  • Prüfung auf Schweissspuren in der Peripherie von Nummern
  • Säure/Ätz – Verfahren zur Überprüfung auf umgeschlagene Nummern
  • Röntgenprüfung macht Schweißnähte auch ohne Lackabtrag sichtbar
  • Ultraschallprüfung kann nachweisen, dass Materialstärke (Blech oder Guss) durch Ausschleifen von Nummern geringer ausfällt.
  • Härteprüfung (Messung des Kohlenstoffanteils und Rückschluss auf Streckgrenze)

Leider öfter gefälscht als gedacht, der 911 RS ist vermutlich das am häufigsten professionell gefälschte Modell am Markt

Oftmals werden auch verschiedene Verfahren in Kombination angewendet, um zu sicheren und belastbaren Ergebnissen zu kommen, so die beiden Experten. Besonders bei Fahrzeugen wie einem Porsche 911 RS oder ähnlich beliebten Klassikern lohnt eine Untersuchung auch vor dem Kauf, da der Aufwand der Fälschung im Verhältnis zum erzielbaren Preis – d.h. die Preisdifferenz zum 911 S als Basismodell so groß ist, dass sich viele als vermeintlich echt gehandelten Fahrzeuge bei genauer Betrachtung als „Nachbau“ entpuppen.

Problematisch bei guten Fälschungen wird es auch häufig dann, wenn nicht nur das Auto, sondern die komplette Fahrzeug-Dokumentation, also Papiere, Kaufbelege, Wartungsunterlagen etc. gefälscht sind, so Sebastian Hoffmann. Oder das gesamte Fahrzeug „passend“ um eine echte Historie, also originalen Unterlagen „herum gebaut“ wurde. Das kann man manchmal tatsächlich bedeuten, dass nicht nur das Blech um die FIN herum genauer betrachet werden, sondern ein kompletter Vorderwagen auf verdeckte Schweißspuren untersucht werden muss.

Ein echter Fall für Profis eben.

Historische Unterlagen sind unerlässlich, so Sebastian Hoffmann, um Fälschungen identifizieren zu können

Unter der Leitung von Sebastian Hoffmann und Fabian Ebrecht und  Frankfurt stehen Oldtimerbesitzern auch überregional ein umfassendes Netz an kompetenten Oldtimer-Sachverständigen zur Verfügung, die über die Gutachtenleistungen hinaus bei Marktforschung, Restaurationsbegleitung, FIA und FIVA Wagenpässen kompetent weiterhelfen.

Mehr über die Analyse im Video erfahren: