- Eins der Exponate in der Sonderausstellung „130 Jahre Nutzfahrzeuge“
- Seltener Kasten-Lieferwagen mit Ottomotor und „Sindelfinger Karosserie“
- Komfort für Kundendienstmechaniker sowie Raum für Werkzeug und Ersatzteile

170 V – ehemaliges Servicefahrzeug des Mercedes-Benz Kundendienstes in der Schweiz. Foto: Thomas Niedermüller.
„Close-up“ – der Name der Serie des Mercedes-Benz Museums ist Programm. Jede Folge erzählt Überraschendes, Spannendes, Hintergründiges zu Fahrzeugen aus der Ausstellung. Diesmal im Blick: der Mercedes-Benz 170 V Kastenwagen (W 136) als Kundendienstfahrzeug in der neuen Sonderausstellung „130 Jahre Nutzfahrzeuge“. Sie zeigt sieben Exponate aus der Geschichte der Transporter und Lastwagen von Mercedes-Benz seit 1896 und ist bis zum 4. April 2027 zu sehen. Hinzu kommen im Atrium des Museums temporär ausgestellte authentische Rekonstruktionen des Daimler Lastwagens von 1896 und des Benz Combinations-Lieferungswagens von 1899 – die Wegbereiter der Nutzfahrzeuggeschichte.
Nr. 7/2026: Mercedes-Benz 170 V Kundendienstfahrzeug (W 136) von 1952
Service ist blau: Die Lackierung dieses Mercedes-Benz 170 V Kastenwagens fällt noch heute ins Auge. In den 1950er-Jahren wissen die Menschen sofort: Diese Farbe steht für Service von Mercedes-Benz. Denn in „Mercedesblau“ sind damals Kundendienstfahrzeuge der Marke lackiert. Der formschöne Kompaktvan wird ab 1952 in der Schweiz eingesetzt. Auch Ikonen wie beispielsweise der Rennwagen-Schnelltransporter „Blaues Wunder“ von 1955 tragen den Farbton.
Blech, Holz, Teppich: Üblicherweise ist das Kundendienstfahrzeug damals voller Werkzeug und Ersatzteile unterwegs.
Der Kastenaufbau mit links angeschlagener Hecktür bietet dafür reichlich Raum: Eine sichtbare Unterkonstruktion aus Holz trägt das elegant geformte Blechkleid. Im Innern sind die Holzbögen seitlich mit jeweils fünf Latten verbunden, die bis zur Fahrerhauswand laufen. Unter dem mit Teppichboden abgedeckten Laderaumboden kann weitere Ausrüstung verstaut werden. Dort hat auch das Ersatzrad des 170 V Platz.
Sindelfinger Eleganz: Vor der Fahrertür befindet sich direkt über dem hellgrau lackierten Kotflügel eine silberfarbene Plakette. „Sindelfinger Karosserie. Daimler-Benz A.G.“ steht darauf, und in der Mitte glänzt der Mercedes Stern. Die Plakette verweist auf die Tradition hochwertiger Werkskarosserien der Marke seit den 1930er-Jahren.
Komfort für den Einsatz: Die Kundendienstmechaniker nehmen im Fahrerhaus Platz auf einer mit hellgrauem Kunstleder bezogenen Sitzbank.
Der Getriebetunnel ist ebenfalls mit Kunstleder belegt. Die Pedalerie umgeben sorgfältig befestigte Matten aus robustem Gewebe, die exakt auf den Fußraum zugeschnitten sind. Das hellgrau lackierte Armaturenbrett trägt zentral vor dem Fahrer den Tachometer mit Kilometerzähler, links davon ein Kombiinstrument für Tankanzeige und Öldruck sowie rechts die Zeituhr. Die Knöpfe der verschiedenen Bedienelemente sind in elfenbeinfarbenem Kunststoff ausgeführt. Mit dem schwarzen Hupenring im schwarzen Lenkrad werden auch die Fahrtrichtungsanzeiger bedient: Vorn vor den Türen sind klassische Winker mit Blinkfunktion angebracht, hinten sind es moderner wirkende Blinklichter.
Zeitzeugen des Wiederaufbaus: Dieser elegante 170 V Kasten-Lieferwagen ist der direkte Nachkomme automobiler Zeitzeugen, die den Neubeginn der Serienproduktion bei Mercedes-Benz nach dem Zweiten Weltkrieg unter schwierigen Bedingungen des Wiederaufbaus markieren. Den Anfang machen ab Mai 1946 sehr einfache, aber damals dringend benötigte Fahrzeuge: Pritschenwagen, Kastenwagen und Krankenwagen, alle auf Basis des 170 V. Die ersten Limousinen folgen wieder ab 1947. Der 1936 vorgestellte 170 V (Baureihe W 136) ist für Mercedes-Benz wirtschaftlich, technisch und strategisch eines der bedeutendsten Fahrzeuge der gesamten Vorkriegszeit – und damit optimal geeignet für die erneute Fertigung.
Effizient mit Diesel: Die Rahmenbedingungen verbessern sich langsam ab 1948, insbesondere durch die Währungsreform in der Bundesrepublik Deutschland und das Anlaufen des Marshallplans der Vereinigten Staaten von Amerika. Das spiegelt auch das Programm der leichten Nutzfahrzeuge von Mercedes-Benz wider. Der effiziente 170 D kommt 1949 ins Programm der Baureihe W 136. Es gibt ihn ab Werk ebenfalls als Kastenwagen sowie als Fahrgestell für Aufbauten unabhängiger Karosserieunternehmen. Mit seinem 29 kW (40 PS) starken 1,7-Liter-Dieselmotor OM 636 ist er die passende Antwort auf den Bedarf vieler Gewerbetreibender und Handwerker in der Epoche des bundesdeutschen „Wirtschaftswunders“, das Anfang der 1950er-Jahre einsetzt.
Kleinserie mit Ottomotor: Als Kastenwagen mit Sindelfinger Karosserie werden 1952 sowohl der 170 V als auch der 170 D produziert. Die Dieselversion entsteht mehr als 500-mal. Von der leistungsfähigeren und dynamischeren Variante mit Ottomotor (33 kW/45 PS bei 3.600/min, Höchstgeschwindigkeit 116 km/h) hingegen werden nur 35 Exemplare gebaut. Damit ist der 170 V in der neuen Sonderausstellung „130 Jahre Nutzfahrzeuge“ nicht nur ein Zeitzeuge der 1950er-Jahre, sondern zugleich höchst selten. Als Kundendienstfahrzeuge verwendet Mercedes-Benz in den 1950er-Jahren verschiedene Varianten der Baureihe W 136. Darunter sind auch Kombilimousinen mit Aufbau externer Karosseriefirmen wie Lueg – teilweise mit eigens entwickeltem Anhänger für einen kompletten Werkzeugsatz.
- Gesamtansicht von rechts vorn. Foto: Thomas Niedermüller.
- Detailaufnahme des rechten Vorderrads und des in grauer Kontrastfarbe lackierten Kotflügels. Foto: Thomas Niedermüller.
- Gesamtansicht von hinten mit geöffneter Hecktür. Foto: Thomas Niedermüller.
- Innenaufnahme des Fahrerhauses. Foto: Thomas Niedermüller.
- Detailaufnahme der Armaturentafel. Foto: Thomas Niedermüller.
- Detailaufnahme des Winkers an der Beifahrertür. Foto: Thomas Niedermüller.












